„Aus der Enge in die Weite“
ein Jahreszeitenzyklus

Ein Grossprojekt, an dem ich nun schon einige Jahre arbeite!

Vernissage „1.Teil aus der Enge in die Weite“

Das Projekt

Ich habe im Frühjahr 2011 begonnen, im hölzernen Zylinder den Jahreszeitenzyklus „aus der Enge in die Weite“ zu schaffen, den ich in den nächsten Jahren hoffe abschliessen zu können. Die ersten zwei Werke wurden bei einer Einzelausstellung in Bern im Raum für Soziokultur BG 25 im Herbst 2011 ausgestellt. Zu dieser Ausstellung hatte ich den hölzernen Zylinder im Ausstellungsraum aufbauen lassen – einmal um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, das besondere Malgefühl in ihm nach zu erleben, zum andern um Workshops für Interessierte anbieten zu können und auch um selber zu arbeiten.

Begleitet von vier lyrischen Texten sollen für den Zyklus insgesamt zwölf 1.35 m(h) x 3.60 m(b) große Bilder entstehen, die jeweils auf einen gewölbten Rahmen gespannt werden, dessen Wölbung dem Radius eines Kreises von 34 m Umfang entnommen ist. Der Kreis greift die inhaltliche Thematik der Jahreszeiten als unendlich wiederkehrenden Kreislauf auf und schafft zugleich einen Bezug zum Entstehungsort der Bilder. Die Bilder befinden sich auf der Innenseite des Kreises. Die „nackte“ Aussenseite möchte ich nutzen, um mit auf Planen aufgezogenen Fotos meinen Alltag als körperbehinderte Frau zu zeigen. Ich hoffe auf diese Weise deutlich machen zu können, was trotz Behinderung möglich ist. Nach diesem Projekt ist die Arbeit im Zylinder für mich nicht zu Ende. Vielmehr glaube ich, dass er auch für mein weiteres Schaffen relevant bleiben wird.

Die Entstehung

Bryan Haab, einem Künstler aus dem Gemeinschaftsatelier Humus, in dem ich arbeitete, fielen beim Malen meine fließenden Bewegungen, die jeweils über den Bildrand hinausgehen, auf. Aufgrund dieser Beobachtung schlug er vor, doch großflächig im Radius zu arbeiten. Die Frage war, wie? Im Lauf der folgenden Woche verdichteten sich für mich die ausgetauschten Ideen zum Malen in einem Zylinder.

Der hölzerne Zylinder

Seit dem Sommer 2010 steht nun in meiner Atelierecke eine zylinderförmige Holzkonstruktion. Ich kann durch eine Aussparung hindurch gehen, mich auf einen Drehstuhl setzen und mit meiner Arbeit beginnen. Um mich her warten dann jeweils bis zu 4 Meter Leinwand darauf gestaltet zu werden. Hier habe ich die Möglichkeit mich zu entfalten, mich auf einer grossen Fläche auszubreiten, mich unbekümmert meinem farblichen Bewegungsdrang hinzugeben – Freiheit – meine Lebensenergie wird auf der Leinwand sichtbar.

Gedanken zum Projekt

Meine Beeinträchtigung schränkt mich motorisch und folglich auch räumlich ein, kann mir aber auch Blickwinkel eröffnen, die anderen Menschen oft verborgen bleiben. So entstehen weite innere Landschaften, die in der Enge oder gerade durch sie entstanden sind. Meine eingeschränkte Motorik hat zudem eine ganz eigene rhythmische Dynamik zur Folge. Durch sie füllt sich die Leinwand mit Zeichen, die sich –  gerade in einer gewissen Distanz betrachtet – zu einer Landschaft verdichten, manchmal mit Horizont, dann wieder ohne. Der Grad der Abstraktion variiert. Tritt man näher heran werden Überlagerungen sichtbar, öffnen sich immer wieder kleine Ein- und Ausblicke. Das Malen war seit meiner Kindheit eine Möglichkeit Dinge zu kommunizieren, die das Herz angehen und sich schwer in Worte fassen lassen. Zudem möchte ich auf die Welt-der-kleinen-Dinge aufmerksam machen – und das nun auch in großem Format.

Impressionen

Gisela Gasser

Lebt in

Wattenwil BE