Lyrik

Ich liebe es, meine Mitmenschen so anzusprechen, dass ihr Denken einen Schups bekommt und sich ihnen Neues zeigt.

Lyrische Perspektiven

 Das eine, was Lyrik tut, ist Sinnliches beschreiben, in Worte kleiden und auf dem papierenen Weiss festhalten. Und doch steht die Frage im Raum, was wurde jetzt genau gesagt. Ich will mehr wissen, fahre fort. Dabei tippt sie an, und lässt dann den Hörenden eigene Gedanken spinnen. Ich liebe es, meine Mitmenschen so anzusprechen, dass ihr Denken einen Schups bekommt und sich ihnen Neues zeigt. Wird es werden, das, was wir uns so sehr wünschen, wonach wir uns sehnen, oder auch verabscheuen. Einiges liegt in unserer Hand, anderes können wir vor allem gedanklich begleiteten.
Einzelne, der hier niedergeschriebenen Gedichte werden Sie an der Schulter fühlen – sacht, freundschaftlich. Und weitere werden ein Schmunzeln bewirken. Die Essays führen auf einem anderen Weg etwas mehr in die Tiefe. Entstanden sind die lyrischen Texte, weil ich jeweils ein Wort festhielt, daran zog bis weitere Worte hervor purzelten und dann jedes an seinem Ort zu stehen gekommen ist.

Texte

Worte
lassen uns
erzählen zeugen Welten
Welten der Phantasie der Wirklichkeit

Gemurmel der Menschheit
du rauschen aus Urtiefen
unergründlich dein seelen-geistes Wesen
Gemurmel
formst
nimmst
Einfluss auf mich
lässt mich sprechen und
auch nicht
frei will ich sein
frei von Menschenmeinung
kein „Trendsetting“-Dasein fristen
doch kann ich widerstehen
deiner gewaltigen scheinbaren
Allmacht
Allmacht des Zeitgenössischen
der Mode
des Zeitgeistes

Zerkrügelt

Herzenskälte
kalt wie Eis
kälter noch als Trockeneis
Schmerz
schmerzlich ist sie
schnürt ab den Lebensatem

zerkrügelt
steh ich
da
will
mich doch
entfalten

Du

Du
mein Du
bei dir verweilen
dein Angesicht schauen
mich von deinem Blick treffen lassen
deine Worte hören
ihnen nachsinnen

Du
ohne Adjektive
Attribute und
Schnickschnack
nur Du
unmittelbar

Fantasieloses
Schlaraffenland
jauchzende Engel
im Geschiebe
Christuskind

Beschrieben ein Schicksal
geschrieben mit blutroter Tinte
ein Blick auf diese Letter fällt
erröten
betroffen
ein abwenden folgt
was hat dieser getan
dies Leid
unerträglich
nicht zum mit ansehen
und erst wenn ich selber drin stünde

geblutet
verwundet
und
weitergegangen

Horch
hörst Du
die Erde ächzt
sie stöhnt
gebrochen ist sie
die beraubte ausgebeutete
wurde nicht
gehirtet

Gisela Gasser

Lebt in

Wattenwil BE